Sie sind hier: Startseite > News > Rating-Agenturen – das Rating von Staaten

Rating-Agenturen – das Rating von Staaten

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Rating-Agenturen bewerten nicht nur die Finanzprodukte von Unternehmen, sondern auch die von Staaten. Die Bonitätsbewertung dieser sogenannten Staatsanleihen ist eine wichtige, aber auch eine sehr heikle Aufgabe, bei der die Rating-Agenturen in Teilbereichen auch von Seiten des IWF kritisiert werden.

Mit dem Begriff Rating-Agenturen werden in der Finanzbranche Unternehmen bezeichnet, die für Käufer (Investoren) und Verkäufer (Emittenten) die Bonität von Finanzprodukten bewerten. Durch dieses Rating werden sowohl:

  • Finanzprodukte von privaten Unternehmen und
  • Finanzprodukte von Staaten bewertet.

Das wichtigste Finanzprodukt eines Staates sind die Staatsanleihen, also Schuldverschreibungen (Anleihen) mit unterschiedlich langen Laufzeiten, die vom Staat oder einer staatlichen Körperschaft ausgegeben (emittiert) werden. Diejenigen, die derartige Staatsanleihen kaufen und so dem Staat Geld leihen, wollen dafür eine entsprechende Rendite kassieren.

Ratingagenturen und Staatsanleihen – wichtige Funktion

Ratingagenturen bewerten – wie bei herkömmlichen Anleihen ja auch – das Ausfallrisiko einer Staatsanleihe, also das Risiko, dass entweder:

  • das geliehene Kapital oder
  • die dafür fälligen Zinsen

vom Staat nicht oder nicht fristgerecht zurückgezahlt werden können.

Dieses Rating erfolgt bei Staaten, die einen entscheidenden Einfluss auf die Weltwirtschaft haben, ohne Auftrag (bspw. USA oder Deutschland). Staaten wie etwa Österreich oder Finnland geben die Bonitätsbewertungen der eigenen Staatsanleihen bei den Ratingagenturen selbst in Auftrag, um die eigene wirtschaftliche Lage nach außen positiv darzustellen und das Interesse an den Staatsanleihen zu wecken.

Ratingagenturen und Staatsanleihen – Problemfelder

Die Bewertung einer Staatsanleihe hat einen großen Einfluss auf die Geldpolitik und in Folge auf die Wirtschaft eines Staates. Grundsätzlich gilt:

  • Je schlechter eine Staatsanleihe bewertet ist – also je höher das Ausfallsrisiko der Staatsanleihe eingeschätzt wird –,
  • desto höher muss die angebotene Rendite sein, damit der Staat Interessenten (Käufer) für seine Staatsanleihen finden kann.

Staaten, deren Staatsanleihen ein schlechtes Rating erhalten, müssen bei der Geldbeschaffung höher Zinsen in Kauf nehmen, da sie ihre riskanten Staatsanleihen nur mit hohen Renditen attraktiv halten können. Außerdem sind auch die Volumina der Staatsanleihen unvergleichlich höher als jene herkömmlicher Anleihen. Die Bewertungen von Staatsanleihen können so starke Turbulenzen auf den Finanzmärkten hervorrufen und sollten deshalb tatsächlich unabhängig und besonders sorgfältig ausfallen.

Wie der IWF festgestellt hat, sind die Rating-Agenturen zwar gut in der Lage, die Ausfallrisiken von Staatsanleihen in einer Rangliste zu ordnen, er bemängelt aber insgesamt deren Transparenz. Die Ratingklassen, so empfiehlt der IWF weiter, sollten um präzise Prozentangaben zu den Ausfallwahrscheinlichkeiten ergänzt und die Rating-Agenturen (vor allem die drei Großen Moody’s, Fitch, Standard & Poor’s) von Staaten insgesamt schärfer überwacht und kontrolliert werden.

Artikel kommentieren