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Die EURIBOR-Zinssätze und der Kreditzins
In der medialen Aufmerksamkeit rangiert die Leitzinspolitik der EZB, der Europäischen Zentralbank, an oberster Stelle. Für Kreditnehmer spielt diese jedoch nur mittelbar eine Rolle, hängt die Höhe der Kreditzinsen doch in erster Linie vom EURIBOR (Euro InterBank Offered Rate) ab.
Als EURIBOR wird der mittlere Zinssatz bezeichnet, zu dem die wichtigsten europäischen Banken einander Geld leihen. Eingeführt wurde der EURIBOR zur selben Zeit wie der Euro, im Jahr 1999.
Der EURIBOR wird an jedem Arbeitstag um 11 Uhr Mitteleuropäischer Zeit ermittelt. Zu diesem Zweck melden die sogenannten Panel-Banken (derzeit sind das 57 große europäische Geldinstitute) ihre Angebotssätze an einen Informationsanbieter, der aus diesen Angebotssätzen – unberücksichtigt bleiben die niedrigsten und höchsten 15 Prozent – das arithmetische Mittel berechnet. In Summe werden 15 verschiedene EURIBOR-Zinssätze ausgewiesen. Sie unterscheiden sich nach dem Durchrechnungszeitraum, der von 1 Woche bis zu 12 Monaten reicht.
Der EURIBOR-Zinssatz ist ein Marktzinssatz und wird vornehmlich von Angebot und Nachfrage bestimmt. Es gibt aber eine Reihe von weiteren, externen Faktoren, die auf die Höhe des EURIBOR Einfluss nehmen. Dazu zählen:
- wirtschaftliche Kennzahlen wie Inflation und Wirtschaftswachstum
- die Kreditwürdigkeit der einzelnen Panel-Banken
- das Vertrauen der Verbraucher
- nicht zuletzt auch der von der EZB bestimmte Leitzins
EURIOBOR und Kreditzinsen
Für die Kreditzinsen ist der EURIBOR der maßgebende Referenzzinssatz. Der Kreditzins besteht aus dem:
- EURIBOR-Zinssatz und einem
- Aufschlag
Je nach Kreditprodukt legen die Kreditinstitute einen der 15 EURIBOR-Zinssätze zu Grunde. So basieren die meisten Wohnbaudarlehen mit kurzen Laufzeiten auf dem 12-Monats-EURIBOR. Konsumkredite mit variablen Zinssätzen orientieren sich hingegen häufig am 3-Monats-EURIBOR. Dieser Durchrechnungszeitraum bestimmt, wann eine Leitzinsänderungen der EZB bei den Kreditzinsen zu Buche schlägt.
Zu dieser EURIBOR-Kreditzinsbasis rechnen die Kreditinstitute dann eine Gewinnmarge hinzu, die sich üblicherweise zwischen 0,5 und 2 Prozent bewegt. Legt man den derzeitigen 3-Monats-EURIBOR Richtsatz von rund 1,4 % zu Grunde, ergäbe sich bei einem Aufschlag von 1,5 % ein Kreditzins von 2,9 %.
Der Aufschlag gibt dem Kreditnehmer jedenfalls ein wichtiges Kriterium zur Beurteilung der Kreditzinssatzes an die Hand. Kann man bei Aufschlägen von 0,5 oder 1 % von sehr guten Bedingungen sprechen, sind Aufschläge im Bereich von 1,5 und 2,0 % übliche Margen, die der Masse der Kunden angeboten werden. Die Höhe der Aufschläge hängt zwar sehr stark von der Bonität des Kreditnehmers ab. Wer aber um die Praxis der Kreditzinsbestimmung weiß, kann mit etwas Verhandlungsgeschick einen besseren, sprich niedrigeren Aufschlag verhandeln.

